Gedanken zu den SkulpturenKunst als Befreiungsprozess
Zunächst ein Warnhinweis:
Über die Gefahr sich mit dem Kunstvirus zu
infizieren!
Kunst gehört neben einigen nur noch wenigen
anderen Krankheiten zu den unheilbaren. Darum ist es sinnvoll, wenn man
schon von ihr befallen ist, sich mit ihr abzufinden und zu versuchen sie
besser zu verstehen.
Halten sie sich fern von allem was wie Kunst
aussieht! Deutlich abgestandene Kunst wie man sie in Kirchen und Museen
findet ist meist völlig ungefährlich. Aber falls sie sich doch schon
angesteckt haben möge diese kurze Diagnose und die dazugehörigen
therapeutischen Anleitungen ein wenig Hilfe bieten: 1. leichte
artitis Diagnose: Man hat schon einmal mit dem Gedanken gespielt in
eine Galerie zu gehen. Man findet gelegentlich ein Kunstwerk das jünger als
100 Jahre ist faszinierend. Therapie: Die noch relativ ungefährliche Form der leichten
artitis wird am Besten durch Ablenkung bekämpft. Viel Fernsehen und Internet
sind die Methode der Wahl! Günstig ist auch sich Sorgen über Unwesentliches
zu machen. Beobachten sie ihre Nachbarn, ärgern sie sich über andere, über
Politik und die Schlechtigkeit der Welt – das macht innerlich stabil und
schwächt den Kunstvirus massiv! So kann diese leichte Form der Erkrankung
gut in Grenzen gehalten werden. 2. chronische
art vivens Diagnose: Zwanghafte Wertschätzung von Kunst und schön
geistiger Dinge. Bereitschaft Zeit und Geld für Kunst zu opfern. Ist oft
auch mit einer zur Toleranz neigenden Einstellung zur Welt gekoppelt
(Komorbidität). Therapie: In diesem Fall sitzt der Virus schon so tief in
Körper und Geist, dass nur noch aktive Formen der Auseinandersetzung helfen
können. Niedrig dosierte Gespräche über Kunst können ein wenig die Situation
entspannen. Ebenso ist das bewusste aufsuchen von Galerien, Ateliers,
Konzerten, … durchaus sinnvoll um eine Erleichterung zu bewirken. Aber
Vorsicht! Nehmen sie keine Freunde, Partner oder gar Kinder mit
(Prävention)!!! Aber von aktivem künstlerischen Tätig sein oder auch
von Sammeln von Kunst ist in diesem Stadium abzuraten – ansonsten kann es
leicht in die noch folgende viel schwerere Form übergehen: 3. morbus art
totalis Diagnose: Das Leben wird von Kunst bestimmt! Die Welt wird von
aktiver Beschäftigung mit Kunst durchdrungen. Auch wenn man die Nähe zu
Künstlern sucht, oder gar sich intensiv mit ihren Arbeiten und Ideen
auseinandersetzt, ist das schon sehr bedenklich. Vermehrtes intensives und
vor allem kreatives Denken sind typisch für dieses Stadium der Krankheit. Es
kann sogar zu aktiver künstlerischer Tätigkeit kommen, oder zu gezielter
Auseinandersetzung mit Kunst und sogar zu Sammelleidenschaften. Therapie: Ab diesem Punkt der exzessiven Erfassung durch den
Kunstvirus treten kaum noch Schmerzen als Nebenwirkung auf. Darum ist das
Bedürfnis nach Heilung kaum vorhanden. Zudem gibt es nur in seltenen Fällen
eine Krankheitseinsicht und somit erübrigt sich auch eine
Therapie. Man darf sich in vollen Zügen der Kunst hingeben und die Freuden
der kreativen und freien Welt genießen! Noch nicht angesteckte Leser sollen spätestens jetzt die Homepage verlassen, um sich nicht unnötig der Gefahr der Infektion auszusetzen.
Durch das Altmetall verbinden die Skulpturen Vergangenheit und Gegenwart und öffnen durch ihre Formen und Symbole neue Räume und Perspektiven. Kunst ist in meiner Vorstellung kein fertiges Statement, sondern ein ständiger Dialog. Jeder betrachtet, erlebt und verarbeitet die Skulpturen auf seine Weise. Sie sollen berühren ohne Antworten vorzuschreiben.
Das Altmetall wird zu mehr als ein reiner Werkstoff. Durch seine Beständigkeit, die vielen Gebrauchsspuren und seine Geschichte wird es zum Träger von Erinnerungen. Schon vergessen geglaubte Objekte werden zu etwas Neuem. Eine Skulptur die die Vergangenheit bewahrt und Neues zum Leben erweckt. Die Skulpturen sind somit eine Einladung die Augen zu öffnen und gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen und den Blick in eine neue Richtung zu lenken
Mein Ziel ist es die Schrottelemente möglichst unverändert in die Skulptur zu integrieren. So ist auch meine Vision von einer besseren Welt. Jedes Individuum sollte möglichst unverändert in seiner Einzigartigkeit bei der Wahrung seiner Autonomie seinen Platz im gesamten Gefüge finden. In diesem Sinne sehe ich die Skulpturen als Metapher für eine konstruktive Welt in der Autonomie und Freiheit einen sehr hohen Wert darstellen!
Wir leben in einer Alltagswelt ohne Geschichte. Die
Gegenstände die uns umgeben sind kurzlebig, ohne Identität und Botschaft.
Ich liebe Gegenstände mit Geschichte. Metall das gezeichnet ist von seinem
Werdegang, das vielleicht schon zerbrochen ist, seine Funktionalität
verloren hat – aber nicht seine Kraft und Einzigartigkeit. Metall wird oft
zu einem kleinen Gedicht, das gelesen und gedeutet werden will. Diese
Gedichte füge ich gerne in eine Skulptur ein, damit sie weiter erzählen und
wirken.
Das Altmetall das in den Skulpturen Verwendung
findet darf möglichst unverändert weiterleben.
Es bleibt noch klar in seiner vorherigen Funktion erkennbar. Somit
kommt das Prinzip der Assemblage, das auf Gonzáles und Picasso zurückgeht, zur
Anwendung. Die Elemente haben sozusagen eine „Doppelidentität“. Sie sind
gleichzeitig Fundstück und Skulptur. Dadurch kommt es zu einer
Mehrdeutigkeit, Verfremdung und auch zu formalen Überraschungen.
Immanuel Kant unterscheidet in der Kritik der Urteilskraft zwischen dem
Schönen, das von selbst gefällt, und dem Erhabenen. "Erhaben ist das, was
durch seinen Widerstand gegen das Interesse der Sinne unmittelbar gefällt".
Diesen Aspekt finde ich sehr wichtig und spannend. Gerade Objekte die
aufgeladen sind mit archetypischen Inhalten sind oft bedrohlich. Und bei
dieser Bedrohung bleibt so mancher Betrachter hängen und dringt nicht weiter
vor.
Die Skulpturen sind ein Ergebnis aus dem Bemühen durch die Kraft der Symbole und Archetypen dem Verständnis der Welt näher zu kommen. Dieser Prozess kann nie abgeschlossen sein, kann nie zu einer eindeutigen Antwort führen. Darum ist gerade die Kunst mit ihrer Vieldeutigkeit ein sehr gutes Medium für diese Auseinandersetzung.
Schrott als Speicher gesellschaftlicher Handlungsweisen
Als Mensch lebt man in einer Welt die geformt und bestimmt ist durch das
soziale Umfeld. Diese sozialen Formgebungen sind die Begriffe im Sprachraum,
Werkzeuge und Rituale im Handlungsraum, ... kurzum die Gesamtheit der
menschlichen Handlungsweisen. In der Kunst geht es darum in diesem Umfeld zu
gestalten und Formen und Bezüge zu schaffen, die neue Sichtweisen erlauben,
Fragen aufwerfen, ...
Humor und Kunst stehen sich sehr nahe. Beide erfordern eine kritische Distanz zur Realität. Sie setzen Erkenntnis voraus, und bringen eine zusätzliche Ebene ins Spiel. Wenn ein Kunstwerk auch humoristische Elemente hat, dann halte ich es für besonders spannend und gelungen. Bleibt ein Werk nur im Vorwurf, der Kritik, oder Ästhetik hängen, dann befriedigt es mich kaum.
Trotz der allgemeinen abstrakten
Zielsetzung die der Befreiungsprozess in der Kunst verfolgt ist es doch
wesentlich den Schritt über die konkrete Materialisierung, die
Vergegenständlichung einer bestimmten Thematik zu gehen.
Was ist Kunst?
Man sagt es ist eine Kunst den
Boden richtig aufzuwischen, oder es ist eine Kunst eine Pizza gut zu
machen usw. Das alles ist
unbestritten, dennoch keine Kunst im engeren Sinne!
Schweigend spreche ich durch die Körper, durch sie
Seelen der Skulpturen. Eine leise Sprache, die keine Umwege durch das
Bewusstsein sucht. Eine wunderbar direkte Sprache. Von Seele zu Seele, ohne
den mühsamen Weg über den Intellekt. Der königliche Weg der Symbole ist ein
wunderbares Geschenk.
Die Ontologie ist die Lehre vom Sein. Sie versucht indem sie das denkerische Vermögen nutzt dem Sein näher zu kommen. Auch Kunst umkreist das Sein. Kunstwerke sind ontologische Gleichnisse, oder vielleicht sogar ontologische Ankerpunkte.
Kunst die nicht von der Welt handelt ist blind und
stumm!
Über Kunst zu reden ist immer auch eine Lüge! Eine Lüge des
Verschweigens.
Vermutlich ist das archetypische Wissen und Erleben die entscheidende Basis für die Kunst. Archetypen die sich immer wieder in der Gegenwart konkretisieren und somit zu einer Verdichtung und Vertiefung führen. Kunst als Verdichtungsprozess der immer wieder neue Formen und Wege finden muss. Die Frage ist, wie kann ich im hier und jetzt die maximale Dichte und Intensität erreichen. Wie gelingt es mit den immer begrenzten Mitteln diese Aufgabe zu erfüllen. Das erfordert kreative und freie Wege.
Wo liegt die Wahrheit der Musik? Wo liegt die Wahrheit einer Skulptur? Wo liegt die Wahrheit einer Ameise, einer Schwalbe eins Staubkorns? Alles ist was es ist ohne die Konstruktion der Idee der Wahrheit. Was kümmert es die Welt ob sie wahr ist. Sie ist wie sie ist. Sie ist wirklich, aber nicht wahr. In diesem Sinne ist auch die Kunst was sie ist.
"Alles was nach Fertigstellung deiner Arbeit geschieht, gehört dir nicht
mehr. Es lässt sich nicht steuern.
Seit der Theorie der Ästhetik von Benedetto Croce hat die Kunst eine neue Welt erobert und ist zugleich heimatlos geworden. Verloren im Ausdruck, der keine zusätzliche Legitimation braucht. Nach meinem Verständnis ist es für die Kunst wichtig die Welt zu erobern, aber genauso wichtig ist es sich wieder eine neue Heimat zu schaffen. D.h. sich nicht in beliebigen Ausdrucksformen zu manifestieren, sondern durch die Auseinandersetzung mit einem spezifischen Material und Ausdrucksmittel neue Heimat zu schaffen und dadurch wieder verständlich und authentisch zu werden.
Basis der Kunst ist Selbständigkeit und Freiheit. Diese
fordert die Bereitschaft die Spannung der Ruhe auszuhalten. Und diese
Bereitschaft sich der Angst vor der Ruhe zu stellen steht in diametralem
Gegensatz zur gesellschaftlichen Tendenz (was bereits der Kunst- und
Medientheoretiker Günther Anders beschrieb) die Angst vor Selbständigkeit
und Freiheit durch den Konsum auf allen Ebenen zu ersticken. Allein durch
diese Tatsache steht ein Künstler am anderen Ende, ja geradezu außerhalb der
Gesellschaft.
Auch wenn ich mir immer wieder erlaube Bemerkungen zu
den Arbeiten hinzuzufügen, so bin ich trotzdem davon überzeugt, dass keine
Kommentarbedürftigkeit von Seiten der Skulpturen vorliegt. Sie stehen für
sich und erklären sich selbst. Wenn ich mit einem Besucher durch das Atelier gehe
unterhalten wir uns über dieses
und jenes – in diesem Sinne sehe ich die Kommentare. Es sind Erzählungen,
Überlegungen, … beim Rundgang durch das Atelier.
"Die künstlerische Tätigkeit ist weder sklavische Nachahmung, noch
willkürliche Erfindung, sonder freie Gestaltung."
Wie ein flüstern im Wald stelle ich die Stahlplastiken der Welt entgegen. Einer lauten Welt, die auf der ständigen Flucht vor sich selbst ihr Tempo ständig erhöhen muss. Die Ruhe und Beharrlichkeit machen die Skulpturen stark und gefährlich. Sie werden zu Hindernissen für schnell Eilende, sie werden zur Gefahr. Kunst ist eine Gefahr, eine große Gefahr für blind Dahinrasende.
Es ist reizvoll die Welt nur als Spiegel zu sehen und
alle Ereignisse nur als Aufforderung einen Schritt weiter zu gehen.
Besonders wertvolle Spiegelbilder sind Kunstwerke. Ihre Einzigartigkeit und
Intensität haben auf mich eine sehr verführerische Wirkung dieser
Aufforderung Folge zu leisten. Kunst fordert immer dazu auf sich von den
inneren Fesseln zu befreien und die Angst als freundlichen Begleiter zu
akzeptieren, der hilfreich zur Seite steht.
Wenn jemand meine Kunst liebt und schätzt, so freut
es mich! Würde dieselbe Person meine Kunst ablehnen und schlecht finden, so
ist es auch gut. In diesem Sinne verstehe ich die Aussage von Peter
Handke:
Kunst und Ordnung Kunst ist ein Versuch
eine Ordnung zu finden und von ihr zu erzählen. Während die vielen
bestehenden Ordnungen, wie Hausordnungen, Putzordnungen, Rangordnungen,
Ausgrenzungen, Ideologien, Gesetzestexte, Müllentsorgungspläne,
Verwaltungserlässe … sich mit oberflächlichen Phänomenen der Welt
beschäftigen versucht ein ehrlicher künstlerischer Prozess die Seinsordnung
zu berühren.
Vor ca. 6000 Jahren wurde in Sumer und Ägypten Eisen von Meteoriten genutzt. Und bereits vor 5000 Jahren kam verhüttetes Eisen in Mesopotamien, Anatolien und Ägypten zum Einsatz. Besonders interessant ist dabei, dass es vermutlich nur zeremoniell genutzt wurde. Die Qualität von Eisen legt offenbar die Nutzung im kultischen Bereich nahe. Hier steckt eine Verbindung zur künstlerisch archetypischen Verwendung von Eisen wie ich sie vornehme. In den figurativen Arbeiten spiegelt sich diese ursprüngliche Nutzung von Eisen.
Metall erlaubt durch seinen Charakter keine Hast. Der Arbeitsstil muss im Einklang mit dem Material und dem Thema sein. Der Begriff des "Tempo Giusto" kann wohl auch auf das Tempo in der bildhauerischen Arbeit übertragen werden. Der Rhythmus wird dann in einer gelungenen Skulptur sichtbar und erlebbar.
Ein Kunstwerk krallt sich wie ein Adler in das Fleisch der Welt - oft
schmerzlich, verletzend.
Die
Welt stellt sich dem Betrachter als ein nebeneinander von Dingen,
Ereignissen und Handlungen dar.
"Das Bekannte überhaupt ist darum weil es bekannt ist, nicht erkannt."
Schreibt Hegel in der Phänomenologie des Geistes.
Der Zufall, dass ein Stück Schrott in dieser oder
jener Weise verschweißt wird, hat zu tun mit der Notwendigkeit der Botschaft
Gestalt zu verleihen, mit der zwar
peripheren und dennoch gewaltigen Möglichkeit ein Zeichen in die Eiche der
Welt zu ritzen.
Kunst ist immer ein geistiges Produkt nie ein materielles. Die Materie
ist nur der Träger der Information!
Das Material Metall, die Größe und die Thematik der Skulpturen verleihen ihnen eine Präsenz der man sich nur schwer entziehen kann. Sie fordern einen Dialog, eine Auseinandersetzung. Einen Dialog der immer offen ist, den jeder für sich führen und entscheiden muss.
Es gibt eine große Nähe zwischen Kunst und Philosophie.
Der Künstler wie der Philosoph stellt sich der Welt als Fragender und
Zweifelnder gegenüber. Das Selbstverständliche und Alltägliche ist ihnen
fremd. Adorno schreibt „Philosophie ist der zum Bewusstsein erhobene
Widerstand gegen alle Klischees“. Diese Bemerkung scheint mir ebenso auf die
Kunst zuzutreffen.
Jeder Mensch ist mehr
oder weniger ein Gefangener in seinen eigenen Vorstellungen. Darum ist es
sehr wichtig an der ständigen Befreiung der eigenen Person zu arbeiten.
Kunst ist ein königlicher Weg diesen Befreiungsprozess zu beflügeln. Ein
Kunstwerk kann täglich dazu einladen einen Schritt weiter zu gehen. Gerade
archetypische Gestalten die auf der symbolischen Ebene arbeiten sind
besonders geeignet diese Dynamik anzuregen. Kunstwerke sind eine Kraftquelle
auf verschiedenen Ebenen. Im günstigsten Fall sind sie Wegweiser und
Weggefährten auf dem Weg des Betrachters. Botschafter der Freiheit aus der
fernen mythologischen Welt. „Die harte Rinde der Natur und gewöhnlichen Welt machen
es dem Geist saurer zur Idee durchzudringen, als die Werke der Kunst“
schreibt Hegel in seiner Ästhetik
Ein Tor das in die
Tiefe führt - nicht in die Kälte und nicht in die Dunkelheit. Es führt in
den Tiefenraum. Der Weg ist nicht immer klar, viele Verzweigungen,
überraschende Engstellen, Einbrüche und immer wieder atemberaubende Räume
die neugierig machen weiter vorzudringen. Viele dieser Wege und Räume werden
in Form von Kunstwerken in unserer Realität sichtbar. Kunstwerke als Pläne
einer schwer zugänglichen Welt. Fragmente einer verschütteten Dimension.
Abstraktion und
Zielsetzung Trotz der allgemeinen
abstrakten Zielsetzung die der Befreiungsprozess in der Kunst verfolgt ist
es doch wesentlich den Schritt über die konkrete Materialisierung, die
Vergegenständlichung einer bestimmten Thematik zu gehen. Umso mehr sich eine
künstlerische Ausdrucksform versucht der materiellen Manifestation zu
entziehen, desto großer wird die Gefahr dass sie sich zur Gänze verliert und
somit kraftlos ist. Sie kann ihre Wirkung nur entfalten wenn sie sich in der
Konkretisierung thematisiert und über die Ebene der Metapher über und gegen
die Wirklichkeit spiegelt. Erst in dieser Spiegelung wird sie auf dem Weg
der Befreiung zu einem entscheidenden Wegweiser um voran zu kommen.
Wittgenstein spricht von der „Verhexung unseres
Verstandes durch die Mittel unserer Sprache“. Und wohl kaum jemand anderer
weiß so genau wie Wittgenstein was das für eine fundamentale Bedeutung für
unser Denken, Handeln, Fühlen und somit für unsere Welt hat. Aber wie wir aus vielen Märchen wissen ist jede
Verhexung, mag sie auch noch so böse sein, irgendwie auflösbar. Und ich
behaupte hier ein wenig frech, aber nicht unbegründet: Mit Kunst kann die
Verhexung durch die Sprache zumindest gemildert werden.
Der Philosoph Whitehead sieht die Realität als Prozess,
sie ist ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Strukturbildung und
Neuigkeit. Nach seiner Auffassung sind der individuelle und der
gesellschaftliche Erkenntnisprozess von der Suche nach neuen Erfüllungen
bestimmt. Kunstwerke aus Metall, die alte „gesellschaftliche
Informationsträger“ in Form von
Fundstücken einbinden und diese zu einem neuen Ganzen zusammenfügen sind
zugleich Metapher und Zeugnis
dieser Beschreibung von Realität. Sie fügen sich in den Prozess des
ständigen Wandelns ein. Sie transformieren alte Sinnträger zu neuen
Einheiten und geben diese neuen Gebilde wieder der Veränderung preis. Rost
ergreift die Plastiken und unterwirft sie einem unaufhaltsamen Prozess, der
das neu Geschaffene schon als vergängliches Produkt auszeichnet. Der
Strukturbildung wird erneut der unaufhaltsame Veränderungsprozess
entgegengesetzt.
Die
Ideen von der Geraden, der Symmetrie, der Ebene und dergleichen sind
Vorstellungen die den Menschen und die Natur bei genauer Betrachtung als
unzulänglich erscheinen lassen.
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