Gedanken zu den Skulpturen.

Gedanken  zu den Skulpturen

Kunst als Befreiungsprozess

 

 

 

Streitwagen Atelier-Fahrner.com Günther Fahrner

 

 

Zunächst ein Warnhinweis:

Über die Gefahr sich mit dem Kunstvirus zu infizieren!

Kunst gehört neben einigen nur noch wenigen anderen Krankheiten zu den unheilbaren. Darum ist es sinnvoll, wenn man schon von ihr befallen ist, sich mit ihr abzufinden und zu versuchen sie besser zu verstehen. Für die noch gesunden, oder leicht befallenen Menschen ist es wichtig über die Gefahren Bescheid zu wissen. Natürlich ist Prävention die beste Methode mit ihr umzugehen. Darum habe ich hier folgende Hilfestellungen bereit gestellt:

Halten sie sich fern von allem was wie Kunst aussieht! Deutlich abgestandene Kunst wie man sie in Kirchen und Museen findet ist meist völlig ungefährlich. Aber falls sie sich doch schon angesteckt haben möge diese kurze Diagnose und die dazugehörigen therapeutischen Anleitungen ein wenig Hilfe bieten:

 

1. leichte artitis

Diagnose:

Man hat schon einmal mit dem Gedanken gespielt in eine Galerie zu gehen. Man findet gelegentlich ein Kunstwerk das jünger als 100 Jahre ist faszinierend.

Therapie:

Die noch relativ ungefährliche Form der leichten artitis wird am Besten durch Ablenkung bekämpft. Viel Fernsehen und Internet sind die Methode der Wahl! Günstig ist auch sich Sorgen über Unwesentliches zu machen. Beobachten sie ihre Nachbarn, ärgern sie sich über andere, über Politik und die Schlechtigkeit der Welt – das macht innerlich stabil und schwächt den Kunstvirus massiv! So kann diese leichte Form der Erkrankung gut in Grenzen gehalten werden.

 

2. chronische art vivens

Diagnose:

Zwanghafte Wertschätzung von Kunst und schön geistiger Dinge. Bereitschaft Zeit und Geld für Kunst zu opfern. Ist oft auch mit einer zur Toleranz neigenden Einstellung zur Welt gekoppelt (Komorbidität).

Therapie:

In diesem Fall sitzt der Virus schon so tief in Körper und Geist, dass nur noch aktive Formen der Auseinandersetzung helfen können. Niedrig dosierte Gespräche über Kunst können ein wenig die Situation entspannen. Ebenso ist das bewusste aufsuchen von Galerien, Ateliers, Konzerten, … durchaus sinnvoll um eine Erleichterung zu bewirken. Aber Vorsicht! Nehmen sie keine Freunde, Partner oder gar Kinder mit (Prävention)!!!

Aber von aktivem künstlerischen Tätig sein oder auch von Sammeln von Kunst ist in diesem Stadium abzuraten – ansonsten kann es leicht in die noch folgende viel schwerere Form übergehen:

 

3. morbus art totalis

Diagnose:

Das Leben wird von Kunst bestimmt! Die Welt wird von aktiver Beschäftigung mit Kunst durchdrungen. Auch wenn man die Nähe zu Künstlern sucht, oder gar sich intensiv mit ihren Arbeiten und Ideen auseinandersetzt, ist das schon sehr bedenklich. Vermehrtes intensives und vor allem kreatives Denken sind typisch für dieses Stadium der Krankheit. Es kann sogar zu aktiver künstlerischer Tätigkeit kommen, oder zu gezielter Auseinandersetzung mit Kunst und sogar zu Sammelleidenschaften.

Therapie:

Ab diesem Punkt der exzessiven Erfassung durch den Kunstvirus treten kaum noch Schmerzen als Nebenwirkung auf. Darum ist das Bedürfnis nach Heilung kaum vorhanden. Zudem gibt es nur in seltenen Fällen eine Krankheitseinsicht und somit erübrigt sich auch eine Therapie. Man darf sich in vollen Zügen der Kunst hingeben und die Freuden der kreativen und freien Welt genießen!

Noch nicht angesteckte Leser sollen spätestens jetzt die Homepage verlassen, um sich nicht unnötig der Gefahr der Infektion auszusetzen.


Wer diese Warnhinweise ignoriert setzt sich bewußt und vorsätzlich
der Gefahr aus und kann keinen Schadnersatz fordern!

 

 

Durch das Altmetall verbinden die Skulpturen Vergangenheit und Gegenwart und öffnen durch ihre Formen und Symbole neue Räume und Perspektiven. Kunst ist in meiner Vorstellung kein fertiges Statement, sondern ein ständiger Dialog. Jeder betrachtet, erlebt und verarbeitet die Skulpturen auf seine Weise. Sie sollen berühren ohne Antworten vorzuschreiben.

 

 

 

Das Altmetall wird zu mehr als ein reiner Werkstoff. Durch seine Beständigkeit, die vielen Gebrauchsspuren und seine Geschichte wird es zum Träger von Erinnerungen. Schon vergessen geglaubte Objekte werden zu etwas Neuem. Eine Skulptur die die Vergangenheit bewahrt und Neues zum Leben erweckt. Die Skulpturen sind somit eine Einladung die Augen zu öffnen und gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen und den Blick in eine neue Richtung zu lenken

 

 

 

Mein Ziel ist es die Schrottelemente möglichst unverändert in die Skulptur zu integrieren. So ist auch meine Vision von einer besseren Welt. Jedes Individuum sollte möglichst unverändert in seiner Einzigartigkeit bei der Wahrung seiner Autonomie seinen Platz im gesamten Gefüge finden. In diesem Sinne sehe ich die Skulpturen als Metapher für eine konstruktive Welt in der Autonomie und Freiheit einen sehr hohen Wert darstellen!

 

 

 

Wir leben in einer Alltagswelt ohne Geschichte. Die Gegenstände die uns umgeben sind kurzlebig, ohne Identität und Botschaft. Ich liebe Gegenstände mit Geschichte. Metall das gezeichnet ist von seinem Werdegang, das vielleicht schon zerbrochen ist, seine Funktionalität verloren hat – aber nicht seine Kraft und Einzigartigkeit. Metall wird oft zu einem kleinen Gedicht, das gelesen und gedeutet werden will. Diese Gedichte füge ich gerne in eine Skulptur ein, damit sie weiter erzählen und wirken.

 

 

 

Das Altmetall das in den Skulpturen Verwendung findet darf möglichst unverändert weiterleben.  Es bleibt noch klar in seiner vorherigen Funktion erkennbar. Somit kommt das Prinzip der Assemblage, das auf Gonzáles und Picasso zurückgeht, zur Anwendung. Die Elemente haben sozusagen eine „Doppelidentität“. Sie sind gleichzeitig Fundstück und Skulptur. Dadurch kommt es zu einer Mehrdeutigkeit, Verfremdung und auch zu formalen Überraschungen.
Zu diesen Aspekten kommt nach meiner Auffassung noch ein wesentlicher hinzu: Die semantische Aufladung. Die Teile werden zu Elementen eines Wesens, einer mythologischen Figur und werden somit mit einer völlig neuen Botschaft „aufgeladen“.

 

 

 

Immanuel Kant unterscheidet in der Kritik der Urteilskraft zwischen dem Schönen, das von selbst gefällt, und dem Erhabenen. "Erhaben ist das, was durch seinen Widerstand gegen das Interesse der Sinne unmittelbar gefällt". Diesen Aspekt finde ich sehr wichtig und spannend. Gerade Objekte die aufgeladen sind mit archetypischen Inhalten sind oft bedrohlich. Und bei dieser Bedrohung bleibt so mancher Betrachter hängen und dringt nicht weiter vor.
Kunst fordert vom Betrachter einen freien "interesselosen" Blick und in weiterer Folge auch die Überwindung von Angst, um zum Erhabenen vorzudringen. Als Folge dieser Überlegungen in der kantschen Philosophie sehe ich eine wichtige Aufgabe für Künstler und Betrachter: Den Aspekt der Befreiung! Nur ein freier Geist kann in die Tiefe der Ästhetik vordringen.

 

 

 

Die Skulpturen sind ein Ergebnis aus dem Bemühen durch die Kraft der Symbole und Archetypen dem Verständnis der Welt näher zu kommen. Dieser Prozess kann nie abgeschlossen sein, kann nie zu einer eindeutigen Antwort führen. Darum ist gerade die Kunst mit ihrer Vieldeutigkeit ein sehr gutes Medium für diese Auseinandersetzung.

 

 

 

Schrott als Speicher gesellschaftlicher Handlungsweisen

Als Mensch lebt man in einer Welt die geformt und bestimmt ist durch das soziale Umfeld. Diese sozialen Formgebungen sind die Begriffe im Sprachraum, Werkzeuge und Rituale im Handlungsraum, ... kurzum die Gesamtheit der menschlichen Handlungsweisen. In der Kunst geht es darum in diesem Umfeld zu gestalten und Formen und Bezüge zu schaffen, die neue Sichtweisen erlauben, Fragen aufwerfen, ...
Altmetall ist ein Prototyp von gespeicherten gesellschaftlichen Handlungsschemata. Werkzeuge, Stangen, Räder, ... sind sichtbare Zeugen von Begriffen die sich materialisiert haben und somit zu Zeugnissen der individuellen Nutzung von bestimmten gesellschaftlichen Handlungsweisen werden.  Dadurch greift eine Stahlplastik gefertigt aus Schrott tief in den gesellschaftlichen Handlungsraum und ordnet die Elemente neu. Das gebrauchte Metall bestimmt die Skulpturen durch ihre einzigartige Form und Verformung, aber auch durch den Inhalt den die Elemente in sich tragen. Sie sind sowohl durch die individuelle Einzigartigkeit bestimmt als auch durch das gesellschaftliche Wissen, das sie in sich tragen.  Das macht Schrott zu einem sehr tauglichen Material um Botschaften zu formen, zu verwandeln, auf bestehendes aufzubauen, Bezüge anzusprechen, in Frage zu stellen, ... Er bietet ein breites Spektrum an, das für die künstlerische Nutzung sehr hilfreich ist.

 

 

 

Humor und Kunst stehen sich sehr nahe. Beide erfordern eine kritische Distanz zur Realität. Sie setzen Erkenntnis voraus, und bringen eine zusätzliche Ebene ins Spiel. Wenn ein Kunstwerk auch humoristische Elemente hat, dann halte ich es für besonders spannend und gelungen. Bleibt ein Werk nur im Vorwurf, der Kritik, oder Ästhetik hängen, dann befriedigt es mich kaum.

 

 

 

Trotz der allgemeinen abstrakten Zielsetzung die der Befreiungsprozess in der Kunst verfolgt ist es doch wesentlich den Schritt über die konkrete Materialisierung, die Vergegenständlichung einer bestimmten Thematik zu gehen.
Umso mehr sich eine künstlerische Ausdrucksform versucht der materiellen Manifestation zu entziehen, desto großer wird die Gefahr dass sie sich zur Gänze verliert und somit kraftlos ist. Sie kann ihre Wirkung nur entfalten wenn sie sich in der Konkretisierung thematisiert und über die Ebene der Metapher über und gegen die Wirklichkeit spiegelt. Erst in dieser Spiegelung wird sie auf dem Weg der Befreiung zu einem entscheidenden Wegweiser um voran zu kommen.

 

 

 

Was ist Kunst?

Man sagt es ist eine Kunst den  Boden richtig aufzuwischen, oder es ist eine Kunst eine Pizza gut zu machen usw.  Das alles ist unbestritten, dennoch keine Kunst im engeren Sinne!
Joseph Beuys sagt: „Jeder Mensch ist ein Künstler“ . Diese Aussage zeugt von einem vornehmen Menschenbild und ist im Kern natürlich wahr, aber Tatsache ist, in vielen Menschen ist dieser Künstler nur in homöopathischer Dosis vorhanden.
Kunst hat natürlich viel mit der Person zu tun, mit ihren Einstellungen, den Haltungen, Fragestellungen, mit ihrem Umgang mit dem was wir Wirklichkeit nennen.
Mit dem Begriff der Wirklichkeit und den Umgang damit sind wir schon sehr nahe bei dem was Kunst auszeichnet. Es ist ein kritischer, distanzierter, humorvoller, fragender, zweifelnder …  Umgang mit der manchmal so unverrückbar fix erscheinenden Wirklichkeit. KünstlerInnen spielen mit der Konstruktion der Wirklichkeit, erkennen in der Tiefe die Beliebigkeit und oft auch Fragwürdigkeit der geltenden Wirklichkeit. Darin scheint mir ein zentraler Punkt zu liegen. Also in der Haltung gegenüber der sogenannten Wirklichkeit.
Ein weiterer spannender Aspekt ist das Kunstwerk. Meist kommt es in der Kunst, bei der künstlerischen Handlung zu einem Ergebnis, das wir Kunstwerk nennen. Hier wird es interessant und vielschichtig. Diese Überlegung ist vermutlich nicht ganz unumstritten:  Mir erscheint es sinnvoll, ja geradezu wesentlich zu sein, dass ein Kunstwerk für sich bestehen kann. Es sollte die Qualität haben in einem Zusammenhang zu den Ideen der KünstlerInnen zu stehen, die von einer Person guten Willens auch rekonstruierbar sind. Im günstigsten Fall ist es sogar durch seine Präsenz dazu geeignet genau das erwünschte Fragespektrum, die Emotionen, die Verunsicherung … auszulösen. Die Idee einer gewissen Eigenständigkeit des Werkes, das ohne viel erläuternde Textseiten verstehbar ist finde ich sympathisch.
Ein weiterer Kernpunkt in einer künstlerischen Arbeit ist zudem ein wirklichkeitsstiftender Aspekt. Vergleichbar mit einem performativen Sprechakt. Bei performativen Sprechakten, wie einem Gerichtsurteil, einer Taufe, … werden durch eine sprachliche Handlungsweise neue Realitäten geschaffen. Ähnlich ist es bei der künstlerische Handlung. Sie hat einen wirklichkeitsstiftenden Aspekt in sich. Sie schafft Neues.
Diese Überlegungen sind natürlich nur Aspekte zu diesem Thema, aber in meiner Wahrnehmung recht hilfreich.

 

 

 

Schweigend spreche ich durch die Körper, durch sie Seelen der Skulpturen. Eine leise Sprache, die keine Umwege durch das Bewusstsein sucht. Eine wunderbar direkte Sprache. Von Seele zu Seele, ohne den mühsamen Weg über den Intellekt. Der königliche Weg der Symbole ist ein  wunderbares Geschenk.

 

 

 

Die Ontologie ist die Lehre vom Sein. Sie versucht indem sie das denkerische Vermögen nutzt dem Sein näher zu kommen. Auch Kunst umkreist das Sein. Kunstwerke sind ontologische Gleichnisse, oder vielleicht sogar ontologische Ankerpunkte.

 

 

 

Kunst die nicht von der Welt handelt ist blind und stumm!
Sie soll sanft sein wie eine Katze und wild wie ein Tiger! – sie soll leben!
Und damit will ich sagen, dass sie berühren und verführen soll. Sie soll einladen zum autonomen Denken.

 

 

 

Über Kunst zu reden ist immer auch eine Lüge! Eine Lüge des Verschweigens.
Man kann stets nur einen Aspekt aufzeigen und niemals das Gesamte beschreiben. Darum sagt man fortwährend die Unwahrheit, weil man wichtiges unterschlägt.

 

 

 

Vermutlich ist das archetypische Wissen und Erleben die entscheidende Basis für die Kunst. Archetypen die sich immer wieder in der Gegenwart konkretisieren und somit zu einer Verdichtung und Vertiefung führen. Kunst als Verdichtungsprozess der immer wieder neue Formen und Wege finden muss. Die Frage ist, wie kann ich im hier und jetzt die maximale Dichte und Intensität erreichen. Wie gelingt es mit den immer begrenzten Mitteln diese Aufgabe zu erfüllen. Das erfordert kreative und freie Wege.

 

 

 

Wo liegt die Wahrheit der Musik? Wo liegt die Wahrheit einer Skulptur? Wo liegt die Wahrheit einer Ameise, einer Schwalbe eins Staubkorns? Alles ist was es ist ohne die Konstruktion der Idee der Wahrheit. Was kümmert es die Welt ob sie wahr ist. Sie ist wie sie ist. Sie ist wirklich, aber nicht wahr. In diesem Sinne ist auch die Kunst was sie ist.

 

 

 

"Alles was nach Fertigstellung deiner Arbeit geschieht, gehört dir nicht mehr. Es lässt sich nicht steuern.
Die Arbeit muss für sich kämpfen und sich selbst definieren."
(Maurizio Cattelan)

 

 

 

Seit der Theorie der Ästhetik von Benedetto Croce hat die Kunst eine neue Welt erobert und ist zugleich heimatlos geworden. Verloren im Ausdruck, der keine zusätzliche Legitimation braucht. Nach meinem Verständnis ist es für die Kunst wichtig die Welt zu erobern, aber genauso wichtig ist es sich wieder eine neue Heimat zu schaffen. D.h. sich nicht in beliebigen Ausdrucksformen zu manifestieren, sondern durch die Auseinandersetzung mit einem spezifischen Material und Ausdrucksmittel neue Heimat zu schaffen und dadurch wieder verständlich und authentisch zu werden.

 

 

 

Basis der Kunst ist Selbständigkeit und Freiheit. Diese fordert die Bereitschaft die Spannung der Ruhe auszuhalten. Und diese Bereitschaft sich der Angst vor der Ruhe zu stellen steht in diametralem Gegensatz zur gesellschaftlichen Tendenz (was bereits der Kunst- und Medientheoretiker Günther Anders beschrieb) die Angst vor Selbständigkeit und Freiheit durch den Konsum auf allen Ebenen zu ersticken. Allein durch diese Tatsache steht ein Künstler am anderen Ende, ja geradezu außerhalb der Gesellschaft.

 

 

 

Auch wenn ich mir immer wieder erlaube Bemerkungen zu den Arbeiten hinzuzufügen, so bin ich trotzdem davon überzeugt, dass keine Kommentarbedürftigkeit von Seiten der Skulpturen vorliegt. Sie stehen für sich und erklären sich selbst.

Wenn ich mit einem Besucher durch das Atelier gehe unterhalten wir uns über dieses  und jenes – in diesem Sinne sehe ich die Kommentare. Es sind Erzählungen, Überlegungen, … beim Rundgang durch das Atelier.

 

 

 

"Die künstlerische Tätigkeit ist weder sklavische Nachahmung, noch willkürliche Erfindung, sonder freie Gestaltung."
Schreibt Fiedler in seinen Schriften zur Kunst I

 

 

 

Wie ein flüstern im Wald stelle ich die Stahlplastiken der Welt entgegen. Einer lauten Welt, die auf der ständigen Flucht vor sich selbst ihr Tempo ständig erhöhen muss. Die Ruhe und Beharrlichkeit machen die Skulpturen stark und gefährlich. Sie werden zu Hindernissen für schnell Eilende, sie werden zur Gefahr. Kunst ist eine Gefahr, eine große Gefahr für blind Dahinrasende.

 

 

 

Es ist reizvoll die Welt nur als Spiegel zu sehen und alle Ereignisse nur als Aufforderung einen Schritt weiter zu gehen. Besonders wertvolle Spiegelbilder sind Kunstwerke. Ihre Einzigartigkeit und Intensität haben auf mich eine sehr verführerische Wirkung dieser Aufforderung Folge zu leisten. Kunst fordert immer dazu auf sich von den inneren Fesseln zu befreien und die Angst als freundlichen Begleiter zu akzeptieren, der hilfreich zur Seite steht.

 

 

 

Wenn jemand meine Kunst liebt und schätzt, so freut es mich! Würde dieselbe Person meine Kunst ablehnen und schlecht finden, so ist es auch gut.
Nur wenn dieser Mensch von meiner Kunst nicht berührt werden würde, dann habe ich mein Ziel nicht erreicht!
Kunst soll bewegen! In der Bewegung steckt die Kraft zur Befreiung. Man kann sie nutzen oder liegen lassen. Das darf und muß jeder für sich entscheiden.

In diesem Sinne verstehe ich die Aussage von Peter Handke:
„Der Künstler stellt dar und lässt die Meinungen begraben sein, wie ein Kriegsbeil“ 

 

 

 

Kunst und Ordnung

Kunst ist ein Versuch eine Ordnung zu finden und von ihr zu erzählen. Während die vielen bestehenden Ordnungen, wie Hausordnungen, Putzordnungen, Rangordnungen, Ausgrenzungen, Ideologien, Gesetzestexte, Müllentsorgungspläne, Verwaltungserlässe … sich mit oberflächlichen Phänomenen der Welt beschäftigen versucht ein ehrlicher künstlerischer Prozess die Seinsordnung zu berühren.

 

 

 

Vor ca. 6000 Jahren wurde in Sumer und Ägypten Eisen von Meteoriten genutzt. Und bereits vor 5000 Jahren kam verhüttetes Eisen in Mesopotamien, Anatolien und Ägypten zum Einsatz. Besonders interessant ist dabei, dass es vermutlich nur zeremoniell genutzt wurde. Die Qualität von Eisen legt offenbar die Nutzung im kultischen Bereich nahe. Hier steckt eine Verbindung zur künstlerisch archetypischen Verwendung von Eisen wie ich sie vornehme. In den figurativen Arbeiten spiegelt sich diese ursprüngliche Nutzung von Eisen.

 

 

 

Metall erlaubt durch seinen Charakter keine Hast. Der Arbeitsstil muss im Einklang mit dem Material und dem Thema sein. Der Begriff des "Tempo Giusto" kann wohl auch auf das Tempo in der bildhauerischen Arbeit übertragen werden. Der Rhythmus wird dann in einer gelungenen Skulptur sichtbar und erlebbar.

 

 

 

Ein Kunstwerk krallt sich wie ein Adler in das Fleisch der Welt - oft schmerzlich, verletzend.
Dieser Mut zum schonungslosen Kontakt zu dem was wir Wirklichkeit nennen zeichnet eine authentische Arbeit aus.
Kunst hat viel mit Autonomie zu tun. Wer autonom lebt muss Spannungen und Schmerzen aushalten.
Nur der Konformist wird durch eine scheinbare Harmonie belohnt. Eine Harmonie die den Tod der Seele in sich trägt.
Die vielen Seelen der Menschen die schon zu Lebzeiten auf den Friedhöfen der Seelenlosen beerdigt werden.
Tot zu sein bevor der Tod gekommen ist gehört zum grausamen Preis der Konformität und Konfliktscheuheit.
Kunst sehe ich als ein homöopatisches Mittel um gegen die Seelenlosigkeit anzukämpfen.

 

 

 

Die Welt stellt sich dem Betrachter als ein nebeneinander von Dingen, Ereignissen und Handlungen dar.
Mein Bedürfnis Ordnungen zu finden ist sehr stark ausgeprägt.
Eine Skulptur ist auch ein Versuch eine Ordnungsstruktur an die Welt zu legen. Dabei wird im gegenständlichen Sinne das zufällige nebeneinander der Dinge in eine übergeordnete Struktur eingebunden.

 

 

 

"Das Bekannte überhaupt ist darum weil es bekannt ist, nicht erkannt." Schreibt Hegel in der Phänomenologie des Geistes.
Das Bekannte unter anderen Gesichtspunkten darzustellen und somit in Frage zu stellen, um einen Erkenntnisprozess einzuleiten, das ist die Aufgabe der Kunst. Gelingt es ihr die E
rkenntnis weiterzuführen um sogar einige Hürden im Geiste aus dem Weg zu räumen, dann ist es in meinen Augen sogar gelungene Kunst.

 

 

 

Der Zufall, dass ein Stück Schrott in dieser oder jener Weise verschweißt wird, hat zu tun mit der Notwendigkeit der Botschaft Gestalt zu verleihen, mit der zwar peripheren und dennoch gewaltigen Möglichkeit ein Zeichen in die Eiche der Welt zu ritzen.
Ein Zeichen, das immer nur Zeugnis einer Existenz ist und deren Bemühen!
Aber die Eiche der Welt trägt das Symbol des Bemühens in den Vorhof der Ewigkeit.

 

 

 

Kunst ist immer ein geistiges Produkt nie ein materielles. Die Materie ist nur der Träger der Information!
Darum ist ein  „Kunstwerk“ das nicht lebt kein Kunstwerk, sondern bestenfalls ein dekorativer Gegenstand.
Trotz dieser geistigen Dominanz ist die konkrete Umsetzung zentral. Erst durch die materiell symbolische Vermittlung wird in der vermittelten Unmittelbarkeit der Inhalt und die Kraft frei. Im konkreten Sein im hier und jetzt  wird der Inhalt in seiner Vielschichtigkeit zugänglich und im günstigsten Fall unmittelbar verständlich.

 

 

 

Das Material Metall, die Größe und die Thematik der Skulpturen verleihen ihnen eine Präsenz der man sich nur schwer entziehen kann. Sie fordern einen Dialog, eine Auseinandersetzung. Einen Dialog der immer offen ist, den jeder für sich führen und entscheiden muss.

 

 

 

Es gibt eine große Nähe zwischen Kunst und Philosophie. Der Künstler wie der Philosoph stellt sich der Welt als Fragender und Zweifelnder gegenüber. Das Selbstverständliche und Alltägliche ist ihnen fremd. Adorno schreibt „Philosophie ist der zum Bewusstsein erhobene Widerstand gegen alle Klischees“. Diese Bemerkung scheint mir ebenso auf die Kunst zuzutreffen.

 

 

 

Jeder Mensch ist mehr oder weniger ein Gefangener in seinen eigenen Vorstellungen. Darum ist es sehr wichtig an der ständigen Befreiung der eigenen Person zu arbeiten. Kunst ist ein königlicher Weg diesen Befreiungsprozess zu beflügeln. Ein Kunstwerk kann täglich dazu einladen einen Schritt weiter zu gehen. Gerade archetypische Gestalten die auf der symbolischen Ebene arbeiten sind besonders geeignet diese Dynamik anzuregen. Kunstwerke sind eine Kraftquelle auf verschiedenen Ebenen. Im günstigsten Fall sind sie Wegweiser und Weggefährten auf dem Weg des Betrachters. Botschafter der Freiheit aus der fernen mythologischen Welt.

„Die harte Rinde der Natur und gewöhnlichen Welt machen es dem Geist saurer zur Idee durchzudringen, als die Werke der Kunst“ schreibt Hegel in seiner Ästhetik

 

 

 

Ein Tor das in die Tiefe führt - nicht in die Kälte und nicht in die Dunkelheit. Es führt in den Tiefenraum. Der Weg ist nicht immer klar, viele Verzweigungen, überraschende Engstellen, Einbrüche und immer wieder atemberaubende Räume die neugierig machen weiter vorzudringen. Viele dieser Wege und Räume werden in Form von Kunstwerken in unserer Realität sichtbar. Kunstwerke als Pläne einer schwer zugänglichen Welt. Fragmente einer verschütteten Dimension.

 

 

 

Abstraktion und Zielsetzung

Trotz der allgemeinen abstrakten Zielsetzung die der Befreiungsprozess in der Kunst verfolgt ist es doch wesentlich den Schritt über die konkrete Materialisierung, die Vergegenständlichung einer bestimmten Thematik zu gehen. Umso mehr sich eine künstlerische Ausdrucksform versucht der materiellen Manifestation zu entziehen, desto großer wird die Gefahr dass sie sich zur Gänze verliert und somit kraftlos ist. Sie kann ihre Wirkung nur entfalten wenn sie sich in der Konkretisierung thematisiert und über die Ebene der Metapher über und gegen die Wirklichkeit spiegelt. Erst in dieser Spiegelung wird sie auf dem Weg der Befreiung zu einem entscheidenden Wegweiser um voran zu kommen.

 

 

 

Wittgenstein spricht von der „Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache“. Und wohl kaum jemand anderer weiß so genau wie Wittgenstein was das für eine fundamentale Bedeutung für unser Denken, Handeln, Fühlen und somit für unsere Welt hat.

Aber wie wir aus vielen Märchen wissen ist jede Verhexung, mag sie auch noch so böse sein, irgendwie auflösbar. Und ich behaupte hier ein wenig frech, aber nicht unbegründet: Mit Kunst kann die Verhexung durch die Sprache zumindest gemildert werden.

 

 

 

Der Philosoph Whitehead sieht die Realität als Prozess, sie ist ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Strukturbildung und Neuigkeit. Nach seiner Auffassung sind der individuelle und der gesellschaftliche Erkenntnisprozess von der Suche nach neuen Erfüllungen bestimmt. Kunstwerke aus Metall, die alte „gesellschaftliche Informationsträger“  in Form von Fundstücken einbinden und diese zu einem neuen Ganzen zusammenfügen sind zugleich  Metapher und Zeugnis dieser Beschreibung von Realität. Sie fügen sich in den Prozess des ständigen Wandelns ein. Sie transformieren alte Sinnträger zu neuen Einheiten und geben diese neuen Gebilde wieder der Veränderung preis. Rost ergreift die Plastiken und unterwirft sie einem unaufhaltsamen Prozess, der das neu Geschaffene schon als vergängliches Produkt auszeichnet. Der Strukturbildung wird erneut der unaufhaltsame Veränderungsprozess entgegengesetzt.

 

 

 

Die Ideen von der Geraden, der Symmetrie, der Ebene und dergleichen sind Vorstellungen die den Menschen und die Natur bei genauer Betrachtung als unzulänglich erscheinen lassen.
So kam schon Plato auf den Gedanken, dass die Ideenwelt die perfekte Vorlage für eine immer unzulängliche Realität ist. Und die Kunst in weiterer Folge noch weiter entfernt von dieser perfekten Ideenwelt anzusiedeln ist.
Demgegenüber vermute ich dass schlichtweg unsere Idee von der Welt unzulänglich ist, weil sie zu wenig berücksichtigt, dass gerade die Qualität alles Lebendigen und Schönen in ihrer einzigartigen Ausformung liegt, die immer von „Unzulänglichkeiten“ wesentlich bestimmt ist.
Wäre die Welt eben, gerade, symmetrisch ... dann würde ich nicht in dieser Welt leben wollen.

 

 

 

 
home